10. Februar 2011
3 Kommentare
Zu der Forderung des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Senioren Union Leonhard Kuckart aufgrund der „unzumutbaren Lärmbelästigung“ keine Kindertagesstätten in Wohngebieten mehr zuzulassen erklärt die stellv. Landesvorsitzende Regina Karsch:
„Der Vorstoß Kuckarts entbehrt jeglicher Logik! Kinder sollen aus Wohngebieten verbannt werden, damit RenterInnen ihre Ruhe haben? Eine solche Forderung spielt die Generationen gegeneinander aus und zerstört das gesellschaftliche Miteinander!“
„Der Vorstoß Kuckarts entbehrt jeglicher Logik! Kinder sollen aus Wohngebieten verbannt werden, damit RenterInnen ihre Ruhe haben? Eine solche Forderung spielt die Generationen gegeneinander aus und zerstört das gesellschaftliche Miteinander!“
Kuckart verglich in der Frankfurter Rundschau Kindergeschrei mit Baulärm und lehnt sich damit gegen seinen Parteikollegen und derzeitigen Bundesumweltminister Norbert Röttgen auf, welcher Kinderlärm nicht als schädliche Umwelteinwirkung einstufen lassen will.
„Wir fordern den Bundesvorstand der Senioren Union auf sich von diesen Äußerungen öffentlich zu distanzieren! Nicht die von Kindern verursachte Geräuschkulisse ist unzumutbar, sondern die billigen Spaltungsversuche der CDU-Senioren sind es. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels brauchen wir mehr den je Solidarität unter den Generationen.“, so der niedersächsische Juso-Landesvorsitzende Jonathan Schorling.
3 Kommentare zu Äußerungen des Vize-Bundesvorsitzenden der Senioren Union sind untragbar
Gerrit
1
am 11. Februar 2011 um 17:41 Uhr
"SozialdemokratInnen wurden unter der NS-Gewaltherrschaft verfolgt und die SPD war die EINZIGE Partei, die gegen das Ermächtigungsgesetz Hitlers gestimmt hat. Dafür hat man sie gejagt und ermordet. Die Vorläufer der Konservativen haben brav mitgestimmt und sich von den Nazis kaufen lassen – ich würde sagen, es gibt keine Partei, die eine so ungebrochene Distanz, Abgrenzung und Bekämpfung des Nationalsozialismus geführt hat wie die SPD. Das nur vorab."
Ich möchte meinen Historikerkommilitonen doch darum ergänzen, obgleich er im Grunde Recht hat, dass es die kommunistischen ArbeiterInnen waren, die den höchsten Blutzoll im Widerstand gegen die Nazi-Barbarei gezahlt haben. Das verringert in keiner Weise den sozialdemokratischen Widerstand, dieser ist aber eben nur ein Teil der Wahrheit.
Dass die SPD die einzige Partei war, die gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat, liegt im Übrigen schlicht daran, dass die KPD-Abgeordneten (die drittstärkste Fraktion im Reichstag) bereits in die Konzentrationslager gebracht worden oder auf der Flucht waren (das erging afair 26 sozialdemokratischen Abgeordneten ähnlich), nachdem die Kommunistische Partei durch die Reichtstagsbrandverordnung faktisch verboten war.
Im Vorfeld der Machtübernahme Hitlers hatte die KPD übrigens schon auf den Generalstreik gedrängt, der aber von den rechten Führern der SPD abgelehnt worden war.
Was die Konservativen angeht, hast du natürlich Recht. Wobei gerade die DNVP als eine der beiden Vorläufer unserer heutigen Konservativen den Nazis besonders schön den Weg geebnet und zur Machtübernahme direkt beigetragen hat. Stichwort Harzburger Front und das Kabinett Hitler, das von der DNVP ja schön mitgetragen wurde...
Michael Kleins Beitrag bedarf keiner Kommentierung mehr außer der einen, dass ich ihm empfehle, noch einmal ein Seminar in formaler Logik zu belegen. Seine Prämissen sind nämlich vollkommener Unfug.
Lars Kelich
2
am 11. Februar 2011 um 16:10 Uhr
@Michael Klein: Dein Kommentar ist nicht nur ahistorisch, sondern auch vollkommen sinnlos. Ahistorisch, weil ein Vergleich zwischen SPD und Nazis, wie du ihn hier getätigt hast, vollkommener Schwachsinn ist. SozialdemokratInnen wurden unter der NS-Gewaltherrschaft verfolgt und die SPD war die EINZIGE Partei, die gegen das Ermächtigungsgesetz Hitlers gestimmt hat. Dafür hat man sie gejagt und ermordet. Die Vorläufer der Konservativen haben brav mitgestimmt und sich von den Nazis kaufen lassen – ich würde sagen, es gibt keine Partei, die eine so ungebrochene Distanz, Abgrenzung und Bekämpfung des Nationalsozialismus geführt hat wie die SPD. Das nur vorab.
Sinnlos ist der Kommentar auch inhaltlich. Einerseits wird das Recht des Lärmens den Kindern eingeräumt, aber auch das „Recht auf Ruhe“ der Senioren. Der letzte Schritt fehlt und dieser Schritt hieße, von deiner Seite aus zugeben zu müssen, dass die Freiheit des einzigen nur so weit reichen darf, dass die Freiheit der anderen nicht dadurch eingeschränkt werden muss. Und in diesem Falle kann ich nur sagen, dass es schwachsinnig wäre, die Kindertagesstätten in irgendeinen abgelegenen Wald zu schicken, wo sie offenbar niemanden stören (außer vielleicht die Horde Dammwild), damit irgendwelche Senioren der Union, die sich auch mit anderen Generationen arrangieren sollten, anstatt von allen anderen alles zu erwarten, aber selbst nicht bereit sind, auch ihren Teil dazu beizutragen, bockig ihren Willen bekommen.
Übrigens: Ich bin sicher, die Mehrheit der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland ist froh, nicht von Kindern isoliert zu leben, sondern mitzubekommen, dass das junge Leben vielleicht auch sie im Alter noch inspirieren kann. Ja, vielleicht schauen sie sogar mal in den KiTas vorbei, um zu sehen, wie so etwas funktioniert. Von daher ist dein Kommentar ungefähr so wichtig wie ein Becher saure Sahne in einem Wackelpudding.
Tja, aber so ist die Senioren Union. Die Union war ohnehin schon immer gut darin, die Demokratie zu „überwinden“. Nicht mit uns. Rotfront, Genossinnen und Genossen!
Michael Klein
3
am 11. Februar 2011 um 13:09 Uhr
Die stellvertretende Landesvorsitzende der wohl Jusos ist also der Ansicht: “Der Vorstoß Kuckarts entbehre jeder Logik”. Die Logik ist die Wissenschaft des Schliessens und da Herr Kuckart gefolgert hat, dass Kinder Lärm machen und dass dieser Lärm für viele Menschen, die nicht das Talent haben, sich vorzustellen, es sei anders, unzumutbar ist, ist das ein logisch korrekter Schluss, aus dem folgt, dass die Landesvorsitzende keine Ahnung hat, was LOGIK ist.
Teil zwei des denkwürdigen Zitats der Landesvorsitzenden lautet: “Kinder sollen aus Wohngebieten verbannt werden, damit Rentnerinnen ihre Ruhe haben? Eine solche Forderung spielt die Generationen gegeneinander aus und zerstört das gesellschaftliche Miteinander”.
Da die Dame es ja so mit Logik hat, hier ein paar Prämissen, die man haben muss, damit der zweite Satz aus dem ersten geschlossen werden kann:
(1) Das Recht von Kindern, Lärm zu machen, ist legitim, das Recht von Rentnern, Ruhe zu suchen, ist nicht legitim.
(2) Das gesellschaftliche Miteinander besteht darin, dass ein Teil tun kann, was er will, während der andere Teil schluckt, was ihm angetan wird.
(3) Wenn Rentner den Lärm von Kindern nicht ertragen können, dann müssen Sie halt wegziehen, denn das gesellschafliche Miteinander sieht es vor, den Lärm zu ertragen, sonst ist es kein Miteinander.
(4) Wer das Miteinander nicht aushält, ist des Miteinander unwürdig.
Wo ist noch einmal der Unterschied zwischen dem Konformitätszwang, den die heutige SPD ihren Bürgern zumutet und dem, der einst von NationalSozialisten ausgeübt wurde?
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